Schmerzfokus (SF) Psychotherapie zur kurativen Behandlung von

chronischen Schmerzzuständen

2019 © Kopierrechte Mag. Thomas Ch. Weber

Die Überwindung des kartesianischen Dualismus

Mit der Methode Schmerzfokus, die Thomas Weber 2013 entdeckte und zu einem neuropsychotherapeutischen Verfahren entwickelte, haben wir einen neuartigen Zugang zur nachhaltigen Auflösung von akuten und chronischen Schmerzzuständen. Einer der Hauptursachen, weshalb in der Schulmedizin die Behandlung von chronischem Schmerz nicht zu kurativem Erfolg führt liegt unter anderem darin, dass zahlreiche Fachleute nach wie vor am kartesianischen Weltbild von René Descartes festhalten, der Dualität von Physis und Psyche. Der renommierte Neurowissenschaftler Antonio Damasio hat 2000 nachgewiesen, dass ohne Gefühl kein vernünftiges Handeln möglich ist. Wenn wir einen unangenehmen Kloß im Hals verspüren und uns daraufhin eine Angst befällt, wissen wir, dass wir existieren. Damasio dazu: „Ich fühle also bin ich“. Es besteht eine konstante Verbindung zwischen Körper und Emotion durch das periphere und zentrale Nervensystem. Das Zentralnervensystem ist mit fast jedem Winkel des restlichen Körpers neuronal verknüpft mit Nerven, die in ihrer Gesamtheit das periphere Nervensystem bilden. Nerven übertragen Impulse vom Gehirn an den Körper und vom Körper ans Gehirn, so Damasio. Es besteht daher kein Zweifel daran, dass sämtliche körperlichen und psychischen Erkrankungen immer den ganzen Leib umfassen (Gehirn und Körper).

 

Der Schmerz als subjektives Geschehen

Schmerz ist ein subjektives Geschehen und lässt sich nicht objektivieren. Jeder Mensch macht während seines Lebens von frühester Kindheit an schmerzhafte Erfahrungen, seien es Stürze vom Fahrrad, Haushalts- und Sportverletzungen und auch seelische Verletzungen von Vernachlässigung oder im Stich gelassen werden. Es spielt eine entscheidende Rolle im Gedächtnis eines Menschen, ob wir sozialen Halt, Trost und Unterstützung erfahren während Schmerzerfahrungen oder ob wir im Schmerz alleine gelassen und lieblos getadelt werden. Wie viele dieser Erfahrungen wir gut verdauen und integrieren können, hängt von verschiedenen bio-psycho-sozialen Faktoren ab.
Wie man heute weiß spielt die soziale Einbettung der jeweiligen Person bei der Schmerzverarbeitung eine wesentliche Rolle. Erfahrungen mit Schmerz bleiben mit Beginn des Lebens im Gedächtnis gespeichert, werden bei jeder neuen schmerzhaften Erfahrung abgerufen und spielen bei der (inneren) Heilung von Schmerz eine entscheidende Rolle.
Beispielsweise liegt der Angstpegel vor einer chirurgischen Operation je nach seelischer Verletzlichkeit des Menschen unterschiedlich hoch. Der Grad präoperativer Ängste ist laut neuer wissenschaftlicher Studien ausschlaggebend für  postoperative Komplikationen, wie z.B. langanhaltende Schmerzen, CRPS (chronic regional pain syndrome) usw. Vor einer bevorstehenden Operation muss der Patient vom Arzt darüber informiert werden, was während des chirurgischen Eingriffs schiefgehen kann; jeder Patient muss die belastenden Risikofaktoren und mögliche Folgestörungen zur Kenntnis nehmen, selbst abwägen und unterschreiben. Unsere Psyche ist es, die darüber entscheidet, in welchem Ausmaß wir nach einer Operation postoperative Schmerzen haben werden, sie lässt sich nicht einfach ausschalten. Ein körperlicher Schmerz wird, wenn er chronisch wird, zu einem emotionalen Schmerz.
Ein emotionaler Schmerz ist ein Geschehen, dass im Gehirn des Menschen im limbischen System emotional bewertet und im Bewusstsein des präfrontalen Kortex ausgewertet wird. 

 

Unterscheidung von akutem und chronischem Schmerz

Beim akuten Schmerz werden über Schmerzrezeptoren der Haut über nozizeptive Fasern (Schmerzbahnen) Schmerzreize zum Rückenmark und weiter zum Thalamus des Gehirns geleitet. Dort wird der Schmerzreiz weiterverarbeitet, somatosensorisch wahrgenommen, emotional und kognitiv bewertet, was über das periaquäduktale Grau des Hirnstammes moduliert wird und zu einer Schmerzhemmung an der schmerzenden Stelle im Körper führt, und den akuten Schmerz zum Abklingen bringt.

Das Problem beim chronischen Schmerz ist, dass er nicht mehr vom Körper über schmerzleitende Bahnen zum Gehirn verläuft, sondern durch Schmerznetzwerke im Gehirn verursacht wird. Das Gehirn führt sozusagen die Regie - beispielsweise bei Rückenschmerzen feuern die entsprechenden „körperlichen Landkarten“ im somatosensorischen Kortex des Gehirns, so dass wir den Schmerz im Rücken spüren. Bei chronischen Schmerzerkrankungen wie beispielsweise bei der Fibromyalgie (Ganzkörperschmerz) kann der Schmerz nicht mehr emotional und kognitiv verarbeitet und dadurch nicht mehr gehemmt werden. Dies erklärt neurophysiologisch die Qualen, denen Menschen mit einem Fibromyalgie-Syndrom ausgesetzt sind. Dies haben wissenschaftliche Studien von Karin Jensen et al. (2012) nachgewiesen.

Wenn wir Schmerz therapeutisch ähnlich verstehen wie Stress oder emotionale Krisen, bekommen wir Zugang zu einem umfassenderen Verständnis in der kurativen Behandlung von Schmerz.

Mit der Schmerzfokus Methode können sich innerhalb weniger Sitzungen chronische Schmerzen deutlich verringern und allmählich nachhaltig auflösen (Knieschmerz, Rückenschmerz, Kopfschmerz; bei schweren chronischen Schmerzerkrankungen wie Clusterkopfschmerz, CRPS (chronic regional pain syndrome), Polyneuropathie und Fibromyalgie benötigt es bis zur nachhaltigen Schmerzverringerung oder sogar -auflösung eine Langzeittherapie mit Schmerzfokus. Wir haben dazu verschiedene therapeutische Techniken entwickelt, mithilfe derer es möglich ist, unterschiedliche Schmerzsymptome und -erkrankungen sowohl akut wie auch chronisch erfolgreich zu behandeln.

 

Weiterbildung für Professionals

In Fort- und Weiterbildung, die wir in Österreich, Deutschland, Ukraine und der Schweiz anbieten, haben Sie die Möglichkeit, eine Ausbildung in Schmerztherapie zu machen.

Links dazu finden Sie unter:

Österreich

Deutschland/Schweiz

Ukraine

 

Literaturhinweis

Weber, T. (2019). Traumafokus. Eine neuropsychotherapeutische Methode zur Verarbeitung von psychischem Stress, Traumata und chronischem Schmerz. Wien: Facultas

Literaturverzeichnis